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Maria Anna Arbauer
Maria Anna Arbauer, um 1780
Künstler unbekannt

Maria Anna Cäcilie Gontard
Anton Graff (1736-1813)
Maria Anna Cäcilie Gontard, um 1760

Henriette Amalie von Anhalt-Dessau
Georg Lisiewski (1674-1750)
Henriette Amalie von Anhalt-Dessau, um 1740
Kulturstiftung Dessau Wörlitz, Bildarchiv

Ursula Magdalena Reinheimer
Ursula Magdalena Reinheimer (1777-1845), Selbstbildnis


Gruppenportrait der Familie Borries, um 1774


Margaretha Eleonora Jäger, 1767


Catharina Elisabeth Goethe, 1776



 
Sonderausstellungen

Blickwechsel. Frankfurter Frauenzimmer um 1800
23. August bis 25. November 2007

Kaum eine Epoche führt so variantenreich weibliche Lebenswelten vor Augen wie das 18. Jahrhundert, das deshalb auch „Jahrhundert der Frauen“ genannt wird. Die Porträtmalerei erfreute sich im bürgerlichen Frankfurt ab etwa 1750 immer größerer Beliebtheit. Die umfangreiche Porträtsammlung des Historischen Museums ermöglicht einen ersten „Blickwechsel“ mit Frankfurterinnen. Die Bildnisse geben viel über Charakter, Persönlichkeit und Eigenart der Frauen preis.

Der Wechsel des Blicks von der männlichen zur weiblichen Hälfte des Frankfurter Bürgertums führt zur überraschenden Einsicht, dass eine Stadt auch vor dem Anbruch der Moderne nicht ohne Frauen „funktionierte“. Künstlerinnen und Schriftstellerinnen, Sammlerinnen und Stifterinnen, Meisterinnen und Handelsfrauen arbeiteten im Familienverband und behaupteten ihre wirtschaftliche Existenz gegenüber männlicher Konkurrenz. Frankfurterinnen trugen soziale Verantwortung und engagierten sich in der städtischen Öffentlichkeit. Über ihre Lebensbedingungen zu berichten, ihren Spuren nachzugehen und ihre Verdienste wieder in das kulturelle Gedächtnis dieser Stadt aufzunehmen, das sind die Beweggründe für diese Ausstellung.

Themen

Im 18. Jahrhundert nahm die Bedeutung der Gefühle stark zu. Ein neues Ideal - für Frauen wie Männer -  war die Liebesheirat. Zärtliche Beziehungen zwischen Eltern und Kindern sowie unter Geschwistern bestimmten zunehmend das Familienleben. Im Zentrum der häuslichen Kindererziehung standen die Mütter. Als „emotionale“ Gastgeberinnen stifteten die Frauen viele Beziehungen.
Sie hielten literarische Zirkel ab und pflegten in „Sammlungskabinetten“ eine Geselligkeit, die nicht nur dem privaten Vergnügen diente, sondern Künstler und Gelehrte zusammenbrachte. Sie prägten das kulturelle Geschehen ihrer Heimatstadt entscheidend mit und engagierten sich durch ihre Stiftungen für das öffentliche Gemeinwesen.
Die Bürgergesellschaft setzte um 1800 auf neue Werte. Es entwickelte sich eine Freundschaftskultur, die durch private Briefwechsel und Stammbücher intensiv gepflegt wurde. Auch das religiöse Empfinden und die kirchliche Praxis spielten in diesen Kreisen eine bedeutende – Gesellschaft und Geselligkeit gleichermaßen prägende – Rolle. Über ihre Netzwerke gewannen die Bürgerinnen zwangsläufig Anteil an der Gestaltung öffentlicher Belange. Zu den ersten Vereinen Frankfurts überhaupt gehörte der „Frankfurter Frauenverein“ – er wurde 1813 von Frauen in eigener Initiative gegründet. Die Gründerinnenliste dieses Vereins deckt sich fast mit der des etwas später (1818) entstandenen „Cäcilienvereins“.

Stifterinnen wie Justinia von Cronstetten oder Sammlerinnen wie von Catharina von Barckhaus prägten das kulturelle Geschehen wie das öffentliche Gemeinwesen ihrer Stadt. Frauen wie sie waren religiös und kulturell sehr einflussreich. Durch ihre öffentliche Wirksamkeit bleiben sie dem kulturellen Gedächtnis der Stadt erhalten.

Erfolgreiche Maler und Kupferstecher zeichneten sich im ausgehenden 18. Jahrhundert durch hohe Risikobereitschaft, genaue Marktbeobachtung, räumliche Mobilität und eine professionelle Vernetzung mit anderen Künstlern, mit Kunsthändlern, Sammlern und Mäzenen aus. Das galt in besonderem Maß für die wenigen Frankfurter Malerinnen und Kupferstecherinnen, die oft in Familienstrukturen oder Werkstätten eingebunden arbeiteten. Diesen Zwängen entkamen nur Frauen des gehobenen Bürgertums und des Adels, die in materiell gesicherten Verhältnissen lebten und der Kunst als „Dilettantinnen“ nachgehen konnten, wie das Beispiel einiger Frankfurterinnen zeigt.

In der Arbeitswelt hatten die Frankfurter Frauen ihren Platz nicht nur im Haushalt. Sie waren in handwerkliche Arbeitsprozesse genauso eingebunden wie im eigenständig betriebenen Kleinhandel. Ehefrauen, Töchter und Mägde organisierten die Werkstatt, schlossen Handelsgeschäfte ab und überwachten die Bilanzen. Die Ausstellung beschreibt den hohen Stellenwert weiblicher Erwerbsarbeit  und deren Einbettung in das städtische Arbeitsleben anhand von handwerklichen Gegenständen und Selbstzeugnissen. Meisterinnen und Handelsfrauen arbeiteten im Familienverband und behaupteten ihre wirtschaftliche Existenz gegenüber männlicher Konkurrenz.

Seit den 1770er Jahren verbrachten die vermögenden Frankfurter Familien die Sommermonate in ihren Gärten außerhalb der Stadt. Das Leben in der Natur wurde nun zum Inbegriff von Erholung, aber auch für eine neue Form bürgerlicher Geselligkeit. Die Gartenhäuser waren mit Gemälden ausgestattet, Skulpturen und Vasen schmückten die Gärten. Die Hausherrin war vor weitreichende Herausforderungen gestellt. Die Bewirtschaftung des Gartens, der Felder und des Treibhauses verlangten Fachkenntnisse und organisatorische Fähigkeiten. Für die Pflege der privaten bürgerlichen Geselligkeit war der Garten der ideale Ort. Hier fand man Freundschaft unter Gleichgesinnten.

Zum Online-Projekt "Frankfurter Frauenzimmer"

Veranstaltungen zur Ausstellung

Konzept und Moderation: Ursula Kern

„Überraschende Begegnungen mit Frankfurter Frauenzimmern“
Szenisches Spiel, Dramaturgie und Regie: James Lyons
25. und 26. August  14.00 bis 20.00 Uhr

„Berühmte Komponistinnen zu Mozarts Zeit“
Uraufführung mit Petra Kämpfer, Klavier und Anna Schmidt, Geige
25. August: 18.00 bis 20.00 Uhr, 26. August: 16.00 bis 18.00 Uhr

„Gedichte und Phantasien“
Literarisch - Musikalischer Salon bei Tee, Kaffee und Gebäck
mit Petra Kämpfer und Anna Schmidt
21. Oktober, 16.00 bis 18.00 Uhr

Vorträge

12.September, 19.00 Uhr
„Was wird aus uns werden, wenn wir füreinander verschwinden sollten?“ Zur Biografie Susette Gontards (1769‑1802)
Dr. Anja Johann

10. Oktober, 19.00 Uhr
"Mein lieber Freund und Kupferstecher" - Frauen in einem (vermeintlichen) Männerberuf
Dr. Wolfgang Cilleßen, Historisches Museum

17. Oktober, 19.00 Uhr
Frankfurter Jüdinnen im 18. Jahrhundert
Fritz Backhaus, Jüdisches Museum

7. November, 19.00 Uhr
„Frauen in der deutschen Musikkultur des 17. und 18. Jahrhunderts“
Vortragskonzert
Priv. Doz. Dr. Linda Maria Koldau, Universität Frankfurt

14. November, 19.00 Uhr
„Was die Frau erwirbt, erwirbt sie dem Mann“: Vermögensbildung und  Geschlechterverhältnisse in der Frühen Neuzeit
Prof. Dr. Heide Wunder

„ ...biß der Vorhang fält...“ - Finissage
mit Lesung, Konzert, szenischem Spiel und Filmen
Am Sonntag, den 25. November 2007, 14.00 – 18.00 Uhr

Führungen und Workshops für Schulklassen und Kindergruppen
Das Kindermuseum bietet ab der 4. Klasse Führungen und ab der
5. Klasse Workshops zur Ausstellung an. Mehr Informationen unter:

http://kindermuseum.frankfurt.de/frauenzimmer.htm

Informationen
Historisches Museum Frankfurt
Saalgasse 19 (Römerberg), 60311 Frankfurt am Main
Telefon 069 212-35599, Fax 069 212-30702

Besucherinformation, Führungen:
069 212-35154 (Mo-Fr.: 10-16 Uhr)
info.historisches-museum(at)stadt-frankfurt.de

Öffnungszeiten:
Dienstag, Donnerstag bis Sonntag 10–18 Uhr, Mittwoch 10–21 Uhr;
Montag geschlossen

Eintritt:
Ausstellungsticket: 5 / ermäßigt 2,50 Euro
Kombiticket (Ausstellung und Museum): 7 / ermäßigt 3,50 Euro
Führung: Gruppe 50 Euro + Eintritt, Kinder 3 Euro pro Person incl. Eintritt

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