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Rückblick

 

18. August 2012 bis 31. März 2013

Frühe Kunststoffe –
Die Sammlung der Kulturwissenschaftlerin Eva Stille

 

Die erste Kabinettausstellung des historischen museums im Obergschoss der Stauferkapelle im Saalhof widmet sich Objekten aus einem ganz besonderen Stoff: Dingen aus Kunststoff aus der Sammlung Eva Stille.

 

Kunststoff fand zu Beginn des 20. Jahrhunderts Eingang in den deutschen Sprachgebrauch: das Organ deutscher Kunststoff-Fachverbände propagierte ihn in der Zeitschrift „Kunststoffe”. Gemeint waren damit die Materialien, die aus chemisch umgewandelten Naturstoffen neu entstanden oder ganz synthetisch hergestellt wurden. Heute ist Kunststoff nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken – und wird zuweilen als übermäßige Belastung empfunden, da manche Kunststoffe die Umwelt nachhaltig schädigen.

 

Das war nicht immer so: Vor über 140 Jahren begannen sich die künstlich hergestellten Materialien durchzusetzen. Ob Knöpfe oder Gürtelschnallen aus Galalith oder Celluloid – die neuen Stoffe boten günstige Alternativen zu Naturstoffen wie Elfenbein oder Perlmutt. Gegenstände aus Kunststoff durchdrangen im großen Stil den Alltag und verbreiterten den Kreis der gesellschaftlichen Teilhabe an nützlichen und schönen Dingen. Mit der Weiterentwicklung der Kunststoffe konnten ganz eigene ästhetische Kategorien in der Konsum- und Warenwelt begründet werden. Auch aus dem Bereich der technischen Erfindungen sind Stoffe wie Bakelit nicht wegzudenken. Kurzum: Kunststoffe eroberten im 20. Jahrhundert unsere Gesellschaft.

 

Die Sammlung von Eva Stille bildet die Faszination ab, die von den neuen Materialien ausgingen und noch heute ausgehen: die bunte Vielfalt von Alltagsgegenständen vermittelt einen eindrucksvollen Einblick in die Anfänge des Kunststoffzeitalters. Die mehr als 600 Objekte gehören seit 2009 zum historischen museum frankfurt; in der Ausstellung zeigen wir eine Auswahl von über 130 Exponaten. Als Sammlerin war die Wahlfrankfurterin zugleich Kuratorin, denn sie widmete sich auch der Erforschung der Objekte, um damit Ausstellungen für und mit Museen zu realisieren. Bereits ab 1960 begann die Eva Stille, systematisch Sammlungen von alltagsgeschichtlichen Objekten aufzubauen – oft auch auf Flohmärkten. Sie spezialisierte sich auf Bereiche wie Spielzeug, Mode und Hausarbeit, Christbaumschmuck und eben frühe Kunststoffe.

 

Mit dem historischen museum frankfurt verbindet Eva Stille eine langjährige Zusammenarbeit in gemeinsamen Ausstellungsprojekten, die schließlich auch zur ersten Kabinettausstellung führte. Die Ausstellung zur Kunststoffsammlung Stille bildet den Auftakt einer Reihe, die in regelmäßigen Abständen weitere Sammler/innen vorstellt. Die Kabinettausstellungen sind auf diese Weise eng verbunden mit der großen Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter”, die zwölf unterschiedliche Frankfurter Sammlerpersönlichkeiten sowie ihre zeittypischen Vorlieben des Sammelns vorstellt: sei es das Sammeln als Weltaneignung, zur bürgerlichen Repräsentation oder wie hier bei Eva Stille, als kuratorisches Handeln.

 

Zur Ausstellung erscheint die Broschüre:
Frühe Kunststoffe. Die Sammlung Eva Stille.

1. Kabinettstück des historischen museums frankfurt, 2012.

Für 2 Euro ist sie im Museumsshop erhältlich.

Galerie Thumb Nr 0
Galerie Thumb Nr 1
Galerie Thumb Nr 2
Galerie Thumb Nr 3
Galerie Thumb Nr 4
Galerie Thumb Nr 5
Galerie Thumb Nr 6
Galerie Thumb Nr 7
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Case aus Polystyrol, Inv.-Nr. T.2009.0551 (c) hmf, Foto: U. Dettmar

Case aus Polystyrol, Inv.-Nr. T.2009.0551 (c) hmf, Foto: U. Dettmar