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Sammler und Stifter

Nach über 200 Jahren wieder vereint. Der Annenaltar des Meisters von Frankfurt.

 

Eine über 200 Jahre lange Odyssee der beiden Heiligen Ottilia und Cäcilia ist zuende. Das historische museum frankfurt konnte die seit der Säkularisation (um 1803) fehlende Tafel mit den beiden Heiligen aus amerikanischem Privatbesitz erwerben. Sie gehört zu dem über 500 Jahre alten Annenaltar des Meisters von Frankfurt, einem der bedeutendsten flämischen Maler der Zeit um 1500. Als Herz der „Sammlung” des Frankfurter Großherzogs Carl Theodor von Dalberg (1744 -1817) ist der rekonstruierte Annenaltar in der neuen Dauerausstellung „Frankfurter Sammler und Stifter” im Saalhof präsentiert.

 

Das Triptychon, um 1504 vom Meister von Frankfurt und seiner Antwerpener Werkstatt von einem unbekannten Auftraggeber für den Annenaltar in der Frankfurter Dominikanerkirche geschaffen, ist einerseits ein herausragendes Kunstwerk des ausgehenden Mittelalters, andererseits auch ein Zeugnis der langen und turbulenten Sammlungsgeschichte der Stadt Frankfurt. Der geschlossene Altar präsentiert auf vier Tafeln in Graumalerei jeweils zwei Heilige: Agnes und Lucia, Martin von Tours und Valentin, Joseph mit dem Christuskind und Gregor der Große, Ottilia und Cäcilia. Nach dem Öffnen erblickt man das Mittelbild mit der Heiligen Sippe und die beiden Flügel mit der Geburt und dem Tod der Maria. Die ebenfalls in Grisailletechnik gemalten und unter der Mitteltafel platzierten Predellenbilder zeigen die Flucht nach Ägypten und den Kindermord von Bethlehem.

 

Im Zuge einer „profanen” Präsentation des Altars gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Tafeln des Altars getrennt und die beidseitig bemalten Flügeltafeln gespalten, die Predellenbilder sowie die Grisailletafel mit den Heiligen Ottilia und Cäcilia kamen abhanden. Der restliche Altar wurden vom Großherzog von Frankfurt, Carl Theodor von Dalberg, erworben und 1809 als Schenkung dem von der Frankfurter Museumsgesellschaft neu gegründeten „Frankfurter Museum” – dem Vorläufer des heutigen historischen museums frankfurt – überlassen.

 

Von den „verlorenen” Tafeln befinden sich die beiden Predellentafeln seit 1898 im Besitz der Staatsgalerie Stuttgart. Die Außentafel mit den Heiligen Ottilia und Cäcilia dagegen hat einen langen Weg hinter sich, bevor sie auf bemerkenswerte Weise für das historische museum frankfurt erworben werden konnte: seit 1929 Objekt der Sammlung des Amsterdamer Kunsthändlers Jacques Goudstikker, gelangte sie nach dem Zweiten Weltkrieg in Besitz der niederländischen Regierung. Marei von Saher (New York), eine Erbin Goudstikkers, erwirkte 2006 die Restitution des Gemäldes durch den niederländischen Staat und bot es dem historischen museum frankfurt zum Kauf an. Nach der gelungenen Finanzierung 2011 dank der großzügigen Beiträge mehrerer Stiftungen (Kulturstiftung der Länder, Berlin; Ernst von Siemens Kunststiftung, München; Hessische Kulturstiftung, Wiesbaden und Ernst Max von Grunelius-Stiftung, Frankfurt am Main) kehrten die Heiligen somit wieder an ihren Heimatort zurück.

 

Sammler und Stifter

 

Sammlung Dalberg

 

Galerie Thumb Nr 0
Galerie Thumb Nr 1
Galerie Thumb Nr 2
Galerie Thumb Nr 3
Galerie Thumb Nr 4
Galerie Thumb Nr 5
Der Annen-Altar des Meisters von Frankfurt, Tempera auf Eichenholz,  Frankfurt, um 1505, Inv.-Nr. B259-B261 (c) hmf, Foto: H. Ziegenfusz

Der Annen-Altar des Meisters von Frankfurt, Tempera auf Eichenholz, Frankfurt, um 1505, Inv.-Nr. B259-B261 (c) hmf, Foto: H. Ziegenfusz