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Rückblick

 

1. Mai bis 31. AUGUST 2008

Die 68er – Kurzer Sommer, lange Wirkung

 

Mit der Ausstellung revitalisierte das historische museum eine Tradition, die bis in die frühen 80er Jahre des 20. Jahrhunderts zum Markenzeichen des Hauses gehört hatte: die große zeitgeschichtliche Museums-ausstellung. Jüngere Besucher entdeckten durchaus erstaunt, dass auch das historische museum Thema war und der Konzeptionswandel in den frühen 70er Jahren zur Wirkung des „kurzen Sommers” gehörte. Zum Neuen gehörten die zeitgeschichtliche Ausstellung und das Ziel, auch die Dauerausstellung in der Gegenwart enden zu lassen. Die in den Monaten der Laufzeit der 68er oft gestellte Frage: „Gehören die 68er ins Museum?” wird mit „Nein” beantwortet, wenn Musealisierung mit „Relevanzverlust” gleichgesetzt ist. Das klare „Ja” als Antwort schließt ein nicht weniger klares „Ja” zum historischen museum als Vermittler von Vergangenheit und Gegenwart ein. „Ins Museum” bedeutet nicht Endstation. „Ins Museum” ist Bedingung für den Diskurs über die 40 Jahre zwischen dem bewegten und bewegenden Jahr und heute im Medium einer Ausstellung.

 


Die Besucherbücher der Ausstellung bieten auf 380 Seiten Einträge mit Bewertungen der Ausstellung. Weit über 90 % sind positiv. Häufig lässt sich das Alter, die Zugehörigkeit zur Generation der 68er oder zur Generation der Nachgeborenen erschließen. Auch die Selbsteinschätzung als „68er” (oder nicht) ist immer wieder nachzulesen. Die positive Bewertung der Ausstellung korreliert nicht mit Alter und Selbsteinschätzung. Diese Beobachtung ist in Bezug auf die Konzeption der Ausstellung interessant. Von „nachgeborenen” KuratorInnen erarbeitet, schloss sie die Beschwörung eines Mythos „68” oder eine Konzeption aus der Sicht der Avantgarde ebenso aus, wie den Versuch einer Definition oder punktgenauen Interpretationen der Wirkung. Da die Besucherkritik an fehlender Mythologisierung oder Heroisierung vereinzelt bleibt, kann das Lob des genannten Prozentsatzes der schreibenden Besucher auf die Ausstellungskonzeption bezogen werden.


Die 68er – Kurzer Sommer, lange Wirkung (c) hmfDie 68er – Kurzer Sommer, lange Wirkung

„Sehr gute Ausstellung auch für nicht 68er” schreibt ein Besucher, der die Zeit miterlebte. „...was meine Eltern bewegt hat und wie sich das heute noch auswirkt.”, schreibt ein Schüler. Nach eigener Auskunft waren Besucher bis zu sieben Stunden in der Ausstellung und wollten noch einmal kommen oder besuchten die Ausstellung zum dritten Mal. Ein Eintrag wünscht „mehrere 100.000 Besucher”, ein anderer Besucher schreibt: „Diese Präsentation muss in die ganze Welt”. Ein Besucher aus den USA, der sich als George vorstellt, teilt mit: „Very informative and eye-opening. I only had one day here at your fascinating Ausstellung. Vielen Dank”. Ausländische Besucher kamen aus den USA, England, Japan, Taiwan, Spanien, Italien und der Schweiz. Durchweg positiv wurde die Multimedialität der Ausstellung bewertet. Die virtuelle Diskussion, die in die Ausstellung einführte, fand auch emphatische Zustimmung. Nicht unbedingt nostalgisch sind wiederkehrende Einträge junger Besucher zu werten, die „die bewegte Zeit” mit heute vergleichen. Wiederkehrende Zuschreibungen sind „spannend” und „erkenntnisfördernd”.


Da in der Öffentlichkeit die Bedeutung von „68” kontrovers diskutiert wird, fällt schließlich auf, dass die Einträge, die direkt zu „68” Stellung nehmen, zahlenmäßig deutlich geringer sind als die Ausstellungs-kommentare. Die Ausstellung ist ein Medium mit eigenen Gesetzen. Im Museumsdiskurs ist umstritten, ob jedes Thema ausstellbar ist. Andererseits ist sicher, dass mit der Medienwahl „Ausstellung” das Thema einen besonderen Zuschnitt erfährt. Eine Ausstellung bietet einen Diskurs mit Bildern und Dingen. Wenn Sie „erkenntnisfördernd” ist, hat sie ein Ziel erreicht. „Spannend” darf sie auch sein und wie eine Besucherin kommentiert: „Lebensnah”.

 

Die Ausstellung „Die 68er. Kurzer Sommer – lange Wirkung” ist beim Publikum angekommen.

 

 

Galerie Thumb Nr 0
Galerie Thumb Nr 1
Galerie Thumb Nr 2
Galerie Thumb Nr 3
Galerie Thumb Nr 4
Galerie Thumb Nr 5
Blick in die Ausstellung: Videoinstallation

Blick in die Ausstellung: Videoinstallation "68 Fragen" (2008) (c) hmf, Foto: H. Ziegenfusz